luxus früher war das so:
wenn der nachbar mit einem neuen blöden grossen auto vorfuhr, kaufte man sich einfach ein noch grösseres, noch blöderes und die welt war wieder in ordnung."demonstrativer konsum", "conspiciuos consumption" heisst dieser luxusbrauch in thorstein veblens amüsantem büchlein "the theory of the leisure class" / "die theorie der feinen leute" von 1899. der gewünschte effekt funktioniert heute zumindest im bereich auto leider nicht mehr, denn wer heute mit einem neuen blöden grossen auto vorfährt, zeigt damit vor allem, dass er selber blöd ist, dass er zum beispiel von den seit jahrzehnten diskutierten oekologischen problemen nichts begriffen hat oder nichts begreifen will. blöde grosse autos machen schon aus platzgründen keinen spass mehr, ich habe dazu bei den zuständigen schaffhauser ämtern sehr interessante zahlen erfragt: - im kanton schaffhausen leben 73'636 menschen.
- es sind im kanton schaffhausen 51'697 motorfahrzeuge angemeldet.
- diese motorfahrzeuge teilen sich ein befahrbares streckennetz von insgesamt 655.795 kilometern länge.
(kantonsstrassen inkl a4: 239.795 km, gemeindestrassen 416 km, datenstand 12/04.)
(war nicht ganz einfach, diese netten beamten dazu zu bringen, diese zahlen herauszurücken, alle haben zuerst gesagt: "förwaamöndsidawüssä?") jedem motorfahrzeug steht also lediglich ein strassenstück von 12.6853 metern länge zur verfügung - wie will sich auf solcher enge echtes luxus-feeling entfalten? zumal diese strassen gar nicht denen mit den blöden grossen autos gehören sondern UNS, luxus auf geklauter basis also? ganz mies! (ist die enge auf den strassen auch die erklärung für den auffälligen hang zu off-road-monsterautos?)
wenn sie heute ihren nachbarn mit demonstrativem konsum wirklich schockieren wollen, müssen sie also ganz anders vorgehen, brechen sie lustvoll herrschende luxus-tabus:es gibt nämlich bestimmte ungeschriebene gesetze des luxus, zum beispiel einen luxus-warenkorb. in diesem warenkorb kommt das velo (noch) nicht vor. sie werden ihren nachbarn also unglaublich schockieren, wenn sie für ihre ganze familie velos zu stückpreisen von chf. 5'000.- kaufen. so etwas tut man nicht! also volltreffer, tabu-totalschaden! auch ihre kollegen im büro, die sich immer noch über die zuteilung der raren firmenparkplätze zanken, können sie mit velo-luxus ins mark treffen: kommen sie eines morgens frisch und froh mit einem speed werx zur arbeit, falten sie es zusammen, stellen sie es unter ihren schreibtisch und erklären sie: "ich werde das von jetzt an immer so machen, am 16.2.2005 ist das kyoto-protokoll in kraft getreten und das ist mein ganz persönlicher beitrag zur reduktion von CO2 -ausstoss! zudem macht velofahren munter und hält mich gesund. ich mag auch nicht mehr 1/3 meiner einkünfte für ein blödes auto ausgeben und dann erst noch stundenlang im stau stecken." das wird auch ihre vorgesetzten beeindrucken, die mögen frische, muntere und kreative mitarbeiter, der stau-penner ist ein auslaufmodell. schauen sie doch mal im velowerk vorbei, hier können sie aus dem vollen schöpfen:hier finden sie handgebaute einzelstücke, nur sorgfältig, liebevoll, mit engagement von mir persönlich gebaute velos, ganz so gebaut, wie sie's brauchen, allwettertauglich, winterfest, nach ihren wünschen pulverbeschichtet und so ausgestattet, wie sie's gerne hätten. den wichtigsten velo-luxus kann man nicht kaufen:ein velo weckt auf wunderbare weise neue kräfte. sie fahren stressfrei in ihrem eigenen rhythmus durch die natur, das öffnet die sinne für das wesentliche. fahren, mit dem auto eine banale dislokation von a nach b in einer gemeingefährlichen blechbüchse, wird mit dem velo zum genuss, der zudem gesund ist und der ihnen kostbare zeit für sich selbst schenkt.
ebenfalls ein auslaufmodell ist mutti, die (wie man liest durchschnittlich18 mal pro woche!!!) fahrdienste für ihren nachwuchs macht. weil der "verkehr so gefährlich" ist, neigt sie zu riesigen monsterautos, die sie fälschlicherweise für sicherer hält als kleine. dabei bedenkt sie nicht, das sie ihr zu grosses überhaupt nicht im griff hat und dass ihr nachwuchs in der vollklimatisierten dreckschleuder mit getönten scheiben einfach verkommt: soziale fähigkeiten gehen verloren, die kinder verfetten und verblöden und das immunsystem degeneriert! abhilfe gibt's hier.
was sich nicht lohnt: viel geld für markenvelos ausgeben:geben sie ihr geld lieber nicht für markenvelos aus, in den markenvelos bildet sich nämlich zwangsläufig das schlechte fabrik-arbeitsklima in schlechter veloqualität ab. davor sind sie auch nicht gefeit, wenn sie sehr viel geld zahlen. ( die fabrik-und marken- welt und deren hintergründe beschreibt eindrücklich das buch "no logo!" von naomi klein, sie schildert vor allem die zustände in den dritt-welt-sweat-shops aber die unterscheiden sich nur graduell von den hierzulande üblichen - nicht prinzipiell.)
literaturThorstein Bunde Veblen: Die Theorie der feinen Leute The Theory Of The Leisure Class (1899) (zurzeit auf deutsch leider vergriffen) "Nur Verschwendung bringt Prestige. Prestige muss der Mensch haben, will er Erfolg. Denn Prestige bringt Anerkennung. Anerkennung braucht der Mensch, um vorwärts zu kommen. Vorwärts kommen heißt besser sein als der Nachbar, Kollege oder Verwandte - das will ein jeder. Die Folge: Die moderne Gesellschaft ist eine Gesellschaft der Verschwendung."
Pierre Bourdieu: Die feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft Suhrkamp Verlag 1987
"Mit seinem Werk "Die feinen Unterschiede", das 1979 in Frankreich, 1982 auch in Deutschland erschien, wurde er berühmt. Darin entschlüsselte er die französische Geschmackskultur und erklärte auf ebenso spannende wie aufklärerische Weise die Funktionsmechanismen des klassenspezifischen "Habitus", jene Einflußgröße, die die Menschen in ihrem Eßverhalten, in ihrer Freizeitgestaltung oder auch in ihrem Schönheitsideal steuert und die primär stets darauf zielt, den Abstand zur nächst tieferen Klasse zu markieren. Seitdem gilt er als "Meister der Lebensstilanalyse"."
Naomi Klein No Logo! (2001) Der Kampf der Global Players um Marktmacht - Ein Spiel mit vielen Verlierern und wenigen Gewinnern. (Taschenbuchausgabe 2002) München: Riemann
 "Die 29-jährige Journalistin Naomi Klein analysiert, was die viel beschworene Globalisierung den Menschen tatsächlich an Freiheit, Vielfalt und Wohlstand gebracht hat. Das Ergebnis ihrer Studie ist erschütternd. Denn während Großunternehmen die freie Wahl der Verbraucher propagieren, beherrschen sie mit ihren Marken die Medien und den öffentlichen Raum. Die Kosten, die sie aufbringen müssen, um ihre Marken zu managen, sparen sie bei der Herstellung der Produkte ein. In Indonesien, China, Mexiko, Vietnam und den Philippinen produzieren sie in Freihandelszonen, in ghettoähnlich abgeschirmten »sweatshops«." http://www.nologo.org
rocks & stones, das neue ringier-magazin für schmuck wagt ein interessantes soziales experiment:
auf seite 109 des allerersten neuen magazins wird da das speed werx kurz vorgestellt und seine schönheit gepriesen - und: die redaktion versteht was von schönheit, das ganze heft ist voll davon! spannend: gelingt es wohl, dieses faltvelo in den luxus-warenkorb zu hieven und damit das tabu zu brechen? rocks & stones
alle preise enthalten 8% mehrwertsteuer und können jederzeit ändern. service-arbeiten und reparaturen: das velowerk ist nur zuständig, für ihr velo, wenn sie es auch hier gekauft haben. |